Sterngeflechtkreis, Stift Heiligenkreuz, Niederösterreich,   2. V. 13. Jh. Corpus Vitrearum Medii Aevi - Österreich
   
Über uns


Internationales Forschungsvorhaben

Das „Corpus Vitrearum Medii Aevi“ (CVMA) besteht seit 1952 als internationales (12 europäische Länder sowie USA und Kanada umfassendes) wissenschaftliches Forschungsvorhaben zur Erfassung und kunsthistorischen Bearbeitung der mittelalterlichen Glasmalerei. Die Mitwirkung des „Comité International d`Histoire de l`Art“ (CIHA) und das Patronat der „Union Academique Internationale“ (UAI) bestätigen das „Corpus Vitrearum“ als ein wichtiges internationales Vorhaben geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung im Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte.

Die Ergebnisse werden in der inzwischen etwa 80 Bände umfassenden, renommierten Publikationsreihe des „Corpus Vitrearum Medii Aevi“ publiziert. Die Bände des CVMA bieten der kunsthistorischen Forschung breites Neuland, erschließen nicht nur unbekannte Bereiche zur Geschichte der mittelalterlichen Malerei, zu Fragen der Stilentwicklung, der Ikonographie und Ikonologie, sondern auch zu den Ausstattungsprogrammen der Bildkunst innerhalb der Architektur im Kontext des Gesamtkunstwerkes (siehe Richtlinien).

Die systematische Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Bearbeitung der mittelalterlichen Glasmalereien ist Teil der aktuellen kunsthistorischen Grundlagenforschung. In Österreich hat die Glasmalereiforschung des Corpus Vitrearum Medii Aevi von einem gemeinsamen Vorhaben des Bundesdenkmalamtes und der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ihren Ausgang genommen (siehe Geschichte). Österreich ist in diesem internationalen Unternehmen seit Anbeginn mit verankert und mit bisher vier Bänden beteiligt, zwei weitere Bände sind in Vorbereitung (siehe Publikationen).


Forschungsstand

Die mittelalterliche Glasmalerei gehört gemeinsam mit der Wandmalerei als Monumentalmalerei zur repräsentativen Bildkunst der mittelalterlichen Architektur,wobei allerdings nur mehr verhältnismäßig wenige Glasgemälde-Bestände (bestenfalls 4 – 5%) die Jahrhunderte überdauert haben. In Österreich sind über 3.500 Glasgemälde vom 12. bis ins 16. Jahrhundert von der Ausstattung romanischer und gotischer Sakralbauten als kostbare Reste monumentaler Bildkunst erhalten geblieben.

Es lag und liegt an den Schwierigkeiten der Zugänglichkeit und an den fotografischen Dokumentationsproblemen, dass die Glasmalerei bis heute zu den wenig erforschten Bereichen mittelalterlicher Kunst gehört. Sie ist daher ein Desideratum der Mittelalterforschung. Nur ein kleiner Teil der erhalten gebliebenen mittelalterlichen Glasmalerei liegt der kunsthistorischen Forschung bisher aufbereitet vor. Die Schwierigkeiten der Zugänglichkeit, der fotografischen Dokumentation in situ sowie der Beurteilung der Authentizität des überlieferten Erscheinungsbildes sind bis heute ein gewichtiges Rezeptionsproblem. Deswegen gehört die Glasmalerei nach wie vor zu den am wenigsten erforschten und bekannten Bereichen mittelalterlicher Bildkunst.


Gefährdete Kunstgattung Glasmalerei

Besondere Aktualität und Dringlichkeit kommt dem Corpus Vitrearum auch insofern zu, als die mittelalterliche Glasmalerei eine durch die aktuelle Schadstoffbelastung der Atmosphäre ganz besonders gefährdete und vom Verfall bedrohte Kunstgattung darstellt, deren Dokumentation dringend notwendig ist. Dieses Problem des allmählichen Verfalls resultiert aus den spezifischen Bedingungen von Material und Technik. Der durch die Umweltsituation vorgegebene hohe Schwefelgehalt der Luft zersetzt das weiche mittelalterliche Glas, der durch die Korrosion bewirkte Transparenzverlust schreitet unaufhaltsam fort und führt zum Erblinden der Bildfenster. Konservierungsmaßnahmen können den Verfall bestenfalls verzögern, aber nicht aufhalten. Vieles von dem, was heute noch zu den herausragenden Dokumenten mittelalterlicher Malerei gehört, wird in 50 Jahren kaum oder nicht mehr zu lesen sein. Vielfach müssen heute schon ältere Fotografien für die Publikation im Corpus Vitrearum herangezogen werden, weil aktuelle Aufnahmen der Kunstwerke durch den seit den 1950er Jahren verstärkt eingetretenen Korrosionsprozess kaum mehr lesbar sind (siehe Richtlinien für die Konservierung und Restaurierung von Glasmalereien).


Wissenschaftliche Dokumentation

Das methodische Konzept des Corpus Vitrearum Medii Aevi hat in diesen Voraussetzungen seinen Ausgangspunkt. Als ein Vorhaben kunsthistorischer Grundlagenforschung strebt es eine umfassende, gleichzeitig aber konzis konzentrierte wissenschaftliche Bearbeitung und Dokumentation dieser Kunstgattung an, in der auch alle für die aktuelle Rezeption notwendigen Informationen zum Erhaltungszustand und zu den technologisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnissen miteinbezogen sind. Neben hohem wissenschaftlichem Niveau ist daher auch interdisziplinäre Zusammenschau gefordert.

Die Forschungsergebnisse des Corpus Vitrearum dienen im weiteren auch der Denkmalpflege, weil die hier vorgegebene Bestandsdokumentation die zentrale Grundlage für alle Erhaltungsmaßnahmen darstellt und so zur Bewahrung eines wichtigen Bestandteils des historischen Erbes wesentlich beiträgt.