Sterngeflechtkreis, Stift Heiligenkreuz, Niederösterreich,   2. V. 13. Jh. Corpus Vitrearum Medii Aevi - Österreich Logo - CVMA International
 


XXVI. Internationales Colloquium des Corpus Vitrearum Medii Aevi
in Wien, 10. - 14. September 2012




Generalthema:Dynastische Repräsentation in der Glasmalerei
Veranstalter:Corpus Vitrearum (Medii Aevi) - Österreich gemeinsam mit dem Österreichischen Bundesdenkmalamt und der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften



Das 1952 gegründete Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA), das älteste, auf internationaler Basis organisierte Forschungsunternehmen der Kunstgeschichte, veranstaltet im Abstand von zwei Jahren Tagungen in einem seiner vierzehn Mitgliedsländer. Primäres Ziel dieser regelmäßigen Konferenzen ist es, dem Wissens- und Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Kunsthistoriker und Glasrestauratoren über Erforschung und Erhaltung einer der am meisten gefährdeten Kunstgattungen zu dienen. Um die wissenschaftliche Kommunikation bestmöglich zu gewährleisten, sind grundsätzlich Colloquien von fünf Tagen vorgesehen, an denen Vorträge und Exkursionen am Programm stehen, die in die drei Tagungssprachen Deutsch, Englisch und Französisch simultan übersetzt werden.

Seit 1977 sind die Beiträge einem Generalthema gewidmet. Für das 26. Colloquium hat das veranstaltende Österreichische Nationalkomitee des CVMA der Tradition der beiden letzten Tagungen folgend unter dem Aspekt des genius loci ,,Dynastische Repräsentation in der Glasmalerei" als Generalthema gewählt. Wien und sein Umland bieten als ehemaliges Machtzentrum der längstregierenden Dynastie der europäischen Geschichte, der Habsburger, die von 1282 bis 1918 mit nur kurzen Unterbrechungen in Wien residierten, zahlreiche Beispiele historischer Verglasungen, die für dynastische Propaganda genutzt worden sind. Einige dieser Fensterzyklen sollen im Rahmen der Tagung besichtigt werden: die Babenbergerscheiben im Brunnenhaus des Stiftes Heiligenkreuz, die Herzogsscheiben aus der Bartholomäuskapelle im Wiener Stephansdom, das Kaiserfenster in der Georgskapelle der Wiener Neustädter Burg sowie die Habsburgerfenster in der Franzensburg in Laxenburg bei Wien.

Im Sinne dieses weit gespannten zeitlichen Horizonts vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert sowie im Kontext mit einem internationalen Forschungsschwerpunkt zur dynastischen Repräsentation im Rahmen der europäischen Residenzenforschung (etwa das Palatium-Projekt der European Science Foundation) wird die Tagung bezogen auf die zu behandelnden Epochen offen gehalten und Beiträge zu europäischen Dynastien des Mittelalters, der Renaissance, des Barock und des Historismus umfassen. Damit wird die Möglichkeit gegeben sein, einen epochenübergreifenden Überblick über das Verhältnis der Dynastien zum Medium der Glasmalerei und ihre damit verbundenen, sich im Lauf der Zeit verändernden politischen Ziele und gesellschaftlichen Ambitionen zu vermitteln. Der Vergleich und das Zusammenspiel mit anderen Kunstgattungen (Wandmalerei, Skulptur) werden dazu dienen, das möglicherweise spezifische Potential der Glasmalerei für repräsentative Ansprüche diskutieren zu können.

In gleichem Maße sollen ikonographische und ikonologische Detailanalysen einzelner Herrscherprogramme erörtert werden. Fallstudien zu Darstellungsformen und Lokalisierungen im sakralen und profanen Raum werden zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Funktionen von repräsentativen Herrscherfolgen in der Glasmalerei führen. Anlässlich der Exkursionen werden daher einerseits hieratische Kompositionen sowie narrative Szenen und anderseits Glasgemälde in einem monastischen Bau, einer Westanlage mit Herrscherkapelle, einer Burgkapelle sowie einem Schloss zu sehen sein, sodass gemeinsam mit den Referaten eine große Bandbreite als Diskussionsgrundlage gegeben sein wird. In Zusammenhang mit den Darstellungsformen wird auch die Frage nach der politisch motivierten Glasmalerei des 19. Jahrhunderts gestellt, die sowohl ikonographische Traditionen des Mittelalters aufgriff, als auch neue Szenen im Sinne einer die Dynastien verherrlichenden Historienmalerei schuf. Neben der Analyse dieser werkimmanenten Aspekte sind auch übergreifende Vergleiche in kunstsoziologischer Hinsicht vorgesehen, die das Wechselspiel zwischen Landesfürsten und Adelshäusern in ihren Repräsentationsansprüchen veranschaulichen werden.

Zum sechzigjährigen Bestandsjubiläum des Internationalen Corpus Vitrearum Medii Aevi im Jahr 2012 sind es demnach Ziele der Tagung, zum einen die Vernetzung der internationalen science community auf dem Gebiet der Glasmalereiforschung weiter zu intensivieren und zum anderen einen Beitrag zur aktuellen Erforschung der europäischen Hofkultur des Mittelalters und der Neuzeit zu leisten. Die Ergebnisse sollen anschließend in einem Tagungsband präsentiert und der geisteswissenschaftlichen Fachwelt zugänglich gemacht werden.